Und schon bald steht die Rückreise auf dem Programm…

… und dies schon morgen in aller Frühe – sehr zu meinem, Shankars und Soms Leidwesen. Eingekauft ist inzwischen schon fast alles, vor allem auch Waren, die ich auf Bestellung mitführe…

In Nepal sind zur Zeit Festivitäten angezeigt: Man (vor allem Hindus) feiert Dashain, das höchste aller Feste im Jahr (vergleichbar nur mit unseren Weihnachten). Man feiert den Sieg der Göttin Durga über das Böse.  Gestern war ein besonderer Festtag und viele Läden deshalb geschlossen. So muss ich heute noch die restlichen Einkäufe erledigen, aber ich habe ja den ganzen Tag Zeit hierzu. Ämter und Banken sind eine Woche lang geschlossen, man sehe sich also vor, dass nicht eine Visumsverlängerung anstünde oder dringende Bankgeschäfte zu tätigen wären…

Gewisse Bräuche, die zum Dashain gehören, sind jedoch echt abstossend, um nicht zu sagen äussert widerlich: Tieropfer werden dargebracht, indem man dem Lebewesen die Kehle durchschneidet. Bei den Opfern handelt es sich in der Regel um Ziegen. Diese “Zeremonien” sollen an den blutigen Kampf zwischen Durga und den Dämonen erinnern. Was ich davon halte, brauche ich wohl nicht zu erklären. Pfui Teufel, Nepal. Unter meinen Freunden kenne ich niemanden, der dieses inakzeptable Ritual mitmacht, wüsste ich es, würde ich ihm sofort die Freundschaft kündigen. Bei allem Respekt vor anderen Kulturen: Töten um des Tötens willens schätze ich als Barbarei ein und sage es auch jedem, ob er es hören will oder nicht. Diese widerliche Praxis dient übrigens auch der Fleischgewinnung. Die ganze Angelegenheit ist etwas vom übelsten, was ich in Nepal kenne, abgesehen von der allgegenwärtigen Korruption.

Eine andere üble Geschichte ist die immer noch herrschende Grenzblockade an der Grenze zu Indien. Noch immer gelangen nur etwa 30 % der sonst üblichen täglichen Menge an Treibstoff nach Nepal. In Kathmandu ist die Versorgungslage auch während der Festivitäten prekär. Viele Haushalte und auch Restaurants verfügen über kein Gas mehr und kochen umständehalber auf Holzherden. In den letzten Tagen haben die Elektrizitätsversorger Einsicht gezeigt und verzichten auf die geplanten Stromausfälle. Strom wird in Nepal praktisch ausschliesslich mit Wasserkraft erzeugt, mit der Verteilung hapert es jedoch…

Die Nepali bezichtigen im übrigen die Inder bei der von den Bewohnern des Terai angezettelten Grenzblockade übel mitzuwirken: Es seien die Inder, die die Waren- und vor allem Treibstofflieferungen behinderten. Es gibt in Nepal gute Gründe zu dieser Annahme…

Nach jahrelangem Seilziehen wurde Ende August in Nepal eine neue Verfassung verabschiedet. Verschiedene Volksgruppen im Terai sind mit dieser nicht zufrieden, da die Distriktsgrenzen zu ihren Ungusten geändert werden sollen. Was es damit auf sich hat, ist mir nicht ganz klar. Die Inder jedenfalls unterstützen die Madeshi (die Bewohner des Madesh oder Terai) immer gern, da sie ja mit den Indern verwandt sind und Indien sich deshalb für ihre Rechte einzusetzen gedenke. Der Konflikt letzten Endes entzündete sich wieder einmal und einmal mehr an der herrschenden Machtverhältnissen: Trotz mittlerweile demokratischer Staatsform haben immer noch die Angehörigen der beiden höchsten Hindukasten (Brahmanen und Chettries) das Sagen, obwohl sie ein krasse Minderheit der Bevölkerung stellen. Verschiedenste Volksgruppen (so auch die Rai, denen Shankar und Som) angehören, verlangen – meiner Meinung nach absolut berechtigt – vermehrten Zugang zu politischen Ämtern und höheren Beamtenstellen.

Diese bis heute herrschenden Machtverhältnisse werden zunehmend in Frage gestellt und so ist nicht verwunderlich, dass viele Brahmanen und Chettries um ihre Pfründe bangen. Ihre Reaktionen hierauf sind von Nervosität und Unsicherheit geprägt.

Und dies wird dann wohl der letzte Eintrag auf diesem Blog darstellen. Die Oman Air und alle anderen internationalen Fluggesellschaften müssen seit Beginn der Blockade in Indien zwischenlanden, damit sie auftanken können. Der Treibstoff am Flughafen in Kathmandu reicht gerade für die nationalen Flüge. So muss ich morgen schon um neun Uhr statt um zehn Uhr morgens fliegen, damit es noch für den Anschlussflug nach Zürich reicht…

Ich werde nächstes Jahr Anfang August wieder nach Nepal zurückkehren und dann wieder berichten.

Bis dann und Pheri Betaula (Nepali: Auf Wiedersehen)…

Und so funktionieren diese Filter…

… öffnet man den Deckel, so wird als erstes eine Schicht aus gebrochenen Backsteinen sichtbar:

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Diese Schicht, die feucht bis nass ist, dient zur Eliminierung von Krankheitserregern wie Bakterien, die sich an den Bruchstücken haften bleiben. Es bildet sich eine sogenannte “Schmutzdecke”, meist als schmieriger Film, der nach jeder Reinigung wieder neu aufbebaut wird.

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Und dies ist das Herzstück, bzw. die wichtigste Schicht im Filter: Ein Bett (meherere cm dick und mehrere Kilo schwer) aus rostigen Nägeln. Man bedenke: Die verwendeten Materialien müssen alle vor Ort erhältlich und für die betroffenen Personen finanziell erschwinglich sein! Der Filter könnte so durchaus den Eindruck eines etwas abenteuerlichen Aufbaus erwecken, aber grundsätzlich funktioniert das Ganze. Diese rostigen Nägel können an ihrer Oberfläche (für chemisch Interessierte: bestehend vorwiegend aus Eisenoxiden bzw. Eisenhydroxiden) Arsen binden oder auch in die Struktur der Eisenverbindungen einbauen. Die Nägel sind kurz, nicht veredelt, sodass sie eine möglichst grosse rostige Oberfläche bzw. Kontaktfläche aufweisen. Beim Durchfluss sollte so dem Wasser das Arsen entzogen werden.

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So darf es begreiflicherweise nicht aussehen: Keine kompakte Oberfläche des Nagelbettes, ein Loch nahe der Mitte des Plastikbeckens, das die Nägel enthält. Hier fliesst das Wasser kontaktfrei durch und damit sämtliches Arsen. Hier mangelt es vor allem am Unterhalt des Filters. Er muss immer wieder gereinigt und die Inhaltsstoffe betriebsbereit verteilt werden.

Die Durchflussgeschwindigkeit des Wassers durch dieses Nagelbett (das Plastikbecken enthält eine Siebstruktur am Boden) ist entscheidend: Es braucht eine gewisse Kontaktzeit, damit die Nägel mit dem Arsen reagieren können. Und zu meinem Erstaunen wird das Wasser beim Durchfluss kaum gebremst, zugeschüttetes Wasser fliesst in Sekundenbruchteilen durch das Nagelbett und ich frage mich, wie schnell die Reaktion vonstatten geht. Hier liegt wohl ein wesentliches Problem.

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Die unterste Schicht des Filters (bis zu 50 cm dick) besteht aus Feinsand (irrtümlicherweise aus Grobsand). Er filtert die Rostpartikel heraus, sodass das Wasser trinkbar ist.

Und das war die Arbeitsteilung:

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Hari beim Messen der Parameter der Wasserqualität.

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Gyan und Shankar wägen die Nägel (Schwerstarbeit bei mehreren Kilo Nägeln und Handwaage…)

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Und ich bin dann mal am Protokollieren, nachdem ich vor allem taktil die verschiedenen Schichten des Filters inspiziert habe. Eine Arbeit auch für einen Blinden problemlos machbar. Hier zählen nicht nur visuelle Kontrolle, sondern auch die taktile Beschaffenheit der Materialien.

Da ich auch Bodenproben gewinnen wollte, um verschiedenste Mineralien auf deren Arsengehalt zu testen, hatte ich auch noch eine Bohrung in Auftrag gegeben. Und so hatte sich das Ganze abgespielt:

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Und so sind Shankar und ich denn am 18. 10. nach Kathmandu zurückgekehrt. Die Proben sind inzwischen per Kurierversand auf dem Weg in die Schweiz…

Nun hiess es aber definitiv: An die Arbeit…

… im äussert flachen und glutheissen Flachland Nepals:

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In der Nähe von Parasi. Reisfelder allethalben.

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Meine drei Assistenten unterwegs: Shankar Rai, Hari Boudhatoki, Gyan Prakash Yadav (von links). Hari und Gyen arbeiten beim ENPHO und mussten vor allem die Haushalte mit den von uns zu untersuchenden Filter ausfindig machen…

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Und in solch windschiefen Häusern auf dem Land und in der Stadt Parasi sind die Filter installiert, die dazu gebaut wurden, das Arsen aus dem zufliessenden Grundwasser zu eliminieren.

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Einer dieser berühmten sogenannten “Kanchan”-Filter, installiert von ENPHO und CAWST (einer NGO in Kanada, die sich mit Wasserversorgung aller Art beschäftigt). Das Grundwasser wird an einer Entnahmestelle (Bohrloch, engl. “tube well”) manuell hochgepumpt und in den grünen Kübel geschüttet, im roten Kübel wird das oft arsenfreie Wasser dann aufgefangen. Ich sage absichtlich oft arsenfrei, denn weil gewisse Filter nur ungenügende Leistungen erbringen, wollten wir ja die Wasserproben sammeln, um herauszufinden, weshalb das so ist.

Morgen werde ich dann anhand von Bildern die Funktionsweise der Filter erklären.

Jetzt kann ich mal endlich über die Feldkampagne berichten…

… nachdem sich die Aufregung über unfähige Beamte gelegt hat… Shankar und Som haben sich jedenfalls köstlich über die Begebenheit amüsiert. Das hat politische Gründe. Der Beamte ist Brahmane, also ein Hindu und Angehöriger der höchsten Kaste. Und obwohl sie eine Minderheit der Bevölkerung darstellen, stellen sie zusammen mit den Angehörigen der Chettries (zweithöchste Kaste) die politische Elite und üben praktisch die gesamte Macht aus. Dementsprechend unbeliebt sind sie… Da kam es eben recht, wenn denen wieder mal die Meinung gesagt wird… Der jetzt herrschende politische Grenzkonflikt im Terai ist auf die beschriebene politische Konstellation zurückzuführen, ich werde mich in einem nächsten Blogeintrag ausführlicher dazu äussern.

Und so sind wir denn am 9. Oktober nach Bhairahawa geflogen:

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Auf der Fahrt von Bhairahawa über Sunwal nach Parasi. Wegen des Streiks und Sitzblokaden mussten wir diesen riesigen Umweg fahren. Im Norden die Siwaliks, die Vorberge des Himalaya.

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Der Treibstoffkrise wegen fahren nur wenige Busse übers Land. Da muss dann eben auch auf dem Dach mitgefahren werden…

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In diesem Restaurant vis-à-vis unserer Unterkunft haben wir uns jeweils verpflegt. Ausser Dhal Bhat war hier nichts zu haben… Shankar hat ja vorsichtshalber Teigwaren plus Tomatensauce aus Kathmandu mitgeführt und oft selber gekocht. Käse hatten wir ebenfalls dabei, Eier und Joghurt konnten wir vor Ort kaufen…

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Shankar vor unserem Hotel in Parasi. Das WLAN ist leider nach einem Gewitter am 12. Oktober früh morgens ausgestiegen…

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Und so sind wir jeweils zu der Probennahme gefahren. Gyan, mein Assistent aus Parasi besass ein Motorrad und darauf wurde nun alles verfrachtet, was Platz hatte… Jeeps, Taxis, Busse fuhren keine, während des Streiks war dies untersagt worden. Benzin für den Töff mussten wir jeden Morgen auf dem Schwarzmarkt besorgen, d. h. es war jeweils eine regelrechte Jagd hierfür und die Preise dementsprechend horrend…

Korruptes Nepal, wie es leibt und lebt…

… so bin ich gestern ob all dem Ärger nicht zum Schreiben gekommen. Ich hätte ja eine Bewilligung zur Ausfuhr meiner Proben einholen sollen. Was mir und ENPHO auch bekannt war. Nur hat sich bis gestern von ENPHO niemand darum gekümmert und heute beginnen dummerweise die grossen Ferien (wegen des Festes Dasain, ähnlich unseren Weihnachtsferien). Zwei Wochen lang sind nun alle Ämter geschlossen. Und DHL als Kurier wollte die Proben ohne Bewilligung nicht versenden… Also wurden Shankar und ich beim “Department of Mining and Geology” vorstellig, um diese Bewilligung zu erhalten. Die Diskussion, welche Dokumente ich null komma plötzlich vorzulegen hätte, hätte lauter nicht sein können. Ich verfüge bloss über ein Touristenvisum, hätte aber angeblich ein working permit haben sollen. Wofür denn, habe ich argumentiert, ich sie ja aus Schweizer Quellen bezahlt und nicht mit Nepali Geldern finanziert?! Hätte ich genug Schmiergeld bezahlt, wäre es wohl noch gestern vonstatten gegangen. Ehrlich gesagt, die können mich mal da…

Meine Freunde von ENPHO waren also  gezwungen auf Verlangen des “Department of Mining and Geology” sofort und ohne zu zögern, unsere Zusammenarbeit und meine Probennahme zu bestätigen. Innerhalb einer Stunde hatte ich die Dokumente, als wir jedoch auf das Amt zurückkehrten, war des zuständige Beamte, der zuvor äusserst aggressiv reagiert hatte, in die Ferien gefahren… Auch gut, so sind ihm Shankar und ich ihm nicht mehr begegnet. Nachdem ich ihm zuerst nämlich die Meinung gesagt hatte, wurde er dann sehr freundlich in seinem Gehabe… Die Wasser- und Bodenproben habe ich gestern mit DHL in die CH zurückgeschickt. Die Bestätigung von ENPHO hat als Bewilligung völlig ausgereicht. Meine Gesteinsproben werde ich in meinem persönlichen Gepäck mitführen am Samstag. Falls da das Schreiben von ENPHO nicht ausreichen sollte, so wird Shankar ganz einfach einem guten Freund von ihm (Abteilungsleiter im Tourismusministerium) anrufen und die Sache wird sich erledigen…

Gestern gab es zu allem Unglück auch von eine eher gehässige Diskussion zwischen Shankar und mir. Eher zum Lachen… Aber das Problem ist stets dasselbe: Shankar ist ein miserabler Buchhalter. Das heisst nicht, dass ich es besser machen würde… Er war jedenfalls dezidiert der Meinung, dass er irgendetwas in der Abrechnung vergessen hätte und ich ihm noch Geld schuldig sei. Er konnte mir aber nicht erklären, was denn vergessen worden sei… Ich habe dann nach einer Stunde nachprüfen den Fehler (notabe seinen Fehler!!) gefunden – als wäre ich für die Buchhaltung zuständig. Das hat ihm heute morgen einen tüchtigen Zusammenschiss eingetragen und nun wird er einen Buchhaltungskurs belegen. Schliesslich traten noch jedes Mal dieses unseligen Auseinandersetzungen auf, auch wenn Beat mit von der Partie war. Hätte wir nie nachgerechnet, so hätte Shankar schon viel Geld verloren, was wir selbstverständlich und in verantwortungsvoller Weise nie akzeptiert hätten. Shankar ist in dieser Hinsicht einfach unbelehrbar. Ein korrekter Buchhalter wird wohl nie aus ihm… Ich möchte doch gerne mal sehen, wie er mit seinen Kollegen in der Trekkingagentur wirtschaftet, wenn er nicht mal in der Lage ist, eine korrekte Buchhaltung zu führen… Aber das kann mir eigentlich egal sein…

Heute abend werde ich mal Bilder von unserer Feldarbeit in Terai auf den Blog stellen und über die politischen Probleme in Nepal berichten. Da sind ja die Gäste in diesem Land leider auch betroffen davon.

Und wieder mal ein Bericht aus dem Hotel Fuji in Kathmandu…

… wo inzwischen das Kerosin für das Betreiben des Stromgenerators zur Neige gegangen ist. Noch immer ist die Grenze zu Indien geschlossen, also keine Treibstofflieferungen. Das heisst, dass während der Stunden des “load shedding” (also des geplanten Stromausfalls in der Stadt, damit das Stromnetz nicht überlastet und die Stromerzeugung nicht überfordert wird) keine Elektrizität vorhanden ist. Das WLAN funktioniert dann noch über eine Notstromversorgung, ansonsten ist bei Bedarf Kerzenlicht angesagt… Ich habe mir gestern eine Lampe besorgt, die ich über mein Solarpanel laden kann, damit ich bei meinem eingeschränkten Gesichtsfeld nicht Gefahr laufe, eine Kerze umzustossen, denn daran hätte wohl keiner im Hotel grosse Freude…

Es ist acht Uhr, Shankar kommt gleich zum Frühstück, werde später weiterfahren…

Wieder zurück in Kathmandu…

Montag und Dienstag war nichts mit Internet…

… das WLAN des Hotels im Parasi war aus unerfindlichen Gründen ausser Betrieb. Vielleicht, weil am Montag morgen früh um 4 Uhr ein Gewitter sondergleichen ausgebrochen ist. Durch die Blitze wurde das Hotelzimmer taghell beleuchtet und das Donnerkrachen habe ich selten dermassen laut und eindringlich mitbekommen. Bis um acht Uhr goss es wie aus Bindfäden, sodass wir erst nach dem Dhal Bhat gegen zwölf Uhr zur weiteren Probennahme schreiten konnten…

Schreiten ist hier wohl kaum der richtige Ausdruck. Da im Moment wegen des Grenzstreiks kaum öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, mussten wir mit dem Motorrad meines Assistenten Gyan zu den verschiedenen Haushalten fahren. Woher er Benzin auftreiben konnte, ist mir im Moment noch ein Rätsel, aber als ein in Parasi ansässiger Mitarbeiter von ENPHO wird er wohl Bezugskanäle haben… Anyway, Shankar und ich nahmen also auf dem Soziussitz Platz. Auf diese Weise zu fahren, ist in Nepal üblich, auch Grossmütter mit ihren Enkelkindern auf dem Schoss werden so transportiert. Pilotiert werden die Töss übrigens ausnahmslos von Männern, Frauen fahren hier nur Velo… In Kathmandu fahren Frauen sehr oft Motorräder der Art Vespa kaum, jedoch Velo… Weiss der Geier, weshalb hier diese Unterschiede existieren… Auf jeden Fall brachte Gyan Shankar und mich zu unserem ersten Probefilter und holte in einer zweiten Fahrt meinen zweiten Assistenten, Hari, ab.

Am Montag Abend hatten wir also schon 15 Filter beprobt, die restlichen 25 werden wir ohne Probleme schaffen. Am Mittwoch ist eine Bohrung angesagt, dann sollte ich die von mir begehrten Bodenproben erhalten, um diese auf arsenhaltige Minerale zu untersuchen.

Die Einzelhaushalte, in denen die Filter verwendet werden, könnten unterschiedlicher nicht sein: Von einfachen Lehmhütten, teilweise mit Bambusmatten als Wänden, undichten Wellblechdächern und Lehmboden (meist ohne Elektriziät ausgestattet, da diese die finanziellen Mittel der Besitzer übersteigen würde) über verputzte Lehmbauten mit Ziegeldächern (dann oft noch mit Stromversorgung und Satellitenschüssel) bis hin zu Betonbauen mit Betonböden, dies verstärkt mit Armierungseisen (dann sicher mit elektrischen Installationen und Satellitenschüsseln). Bei den armseligsten Behausungen habe ich auch die meisten Kinder pro Familie gesehen. Dies ist typisch für Nepal: Die ärmeren, oft ungebildeten Schichten haben kaum Zugang zu familienplanerischen Institutionen. Und dies stellt ein grosses Problem Nepals dar: Auch die Kinder dieser Familien laufen Gefahr, kaum in den Genuss von Bildung zu kommen und so dreht sich die Armutsspirale weiter. Nepal ist zudem heillos überbevölkert und dies ist meiner Meinung nach der Hauptgrund für die wirtschaftliche Stagnation. Die politische “Elite” (vor allem alte Männer…) will vor allem Pfründe für ihren Clan sichern und jeder, der Macht ausüben kann, wird zum Vorteil seines Clan wirtschaften. Da wundert sich wohl niemand mehr, dass auf diesem Boden die Korruption hervorragend gedeiht…

Dienstag später Nachmittag: Mittlerweile sind es 21 Filter… Morgen kommen nur 2 weitere dazu, weil ich Bodenproben haben will und die müssen erbohrt werden. Dies führt ein ortsansässiger Handwerker aus, die Bohrung soll auf 20 m abgeteuft werden und wird manuell ausgeführt. Da braucht es mehrere kräftige Männer, die ich ja als Assistenten zur Verfügung habe… Mal sehen, was hier morgen herausschaut…

Bis zum Samstag (wir fliegen gemäss Plan am Sonntag nach Kathmandu zurück) wollen wird dann noch weitere 18 Filter beproben.

Am Mittwoch haben wir es noch auf 5 neue Proben gebracht. Gegen Mittag dann machten wir uns zum Bohrplatz auf: Die Bohrung wird plangemäss auf dem Grundstück einer finanziell schwachen Familie ausgeführt, sodass diese auch endlich zu einer eigenen Wasserstelle kommen. Bisher mussten sie ihr Wasser stets bei irgendwelchen Nachbarn beziehen. So haben wir eine Win-win Situation geschaffen: Die fünfköpfige Familie (übrigens mit drei reizenden Töchtern…) erhält die Wasserentnahmestelle und ich meine gewünschten Bodenproben. Die Bohrung habe ich selbstverständlich finanziert, diese belastet das Forschungsbudget etwa mit Fr. 100.-… Die Bohrtechnik zu studieren war sehr interessant, ich werde nach der Rückkehr Bilder davon ins Netz stellen (sicher auch wie Gyan, Shankar und ich zusammen auf einem Töff fuhren…)

Donnerstag Abend: Es kann vermeldet werden, dass wir nun insgesamt 33 Filter beprobt haben, morgen kommen noch die letzten sieben dazu. Damit haben wir das Maximum an Proben herausgeholt, obwohl Hari, mein Assistent, zu Beginn der Woche bezweifelt hatte, dass wir soviele schaffen, vor allem des Transportproblemes wegen. Gyan, der zweite Assistent, der über ein eigenes Motorrad verfügt, musste jeweils von Dienstag an jeden Morgen in einer nervenaufreibenden Arbeit versuchen, ein zweites Motorrad aufzutreiben, welches dann Hari fuhr… Mit nur einem Motorrad dann wäre es zu weit gewesen, stets zweimal zu fahren. Der Liter Treibstoff kostet im Moment wegen des Streiks 340 Rupien, normalerweise deren 104 Rupien (zur Erinnerung: 1 CHF = 105 Rupien). Für technisch Interessierte: Motorräder der Marke “Bajaj”, made in India, 125 ccm.

Mädchen und junge Frauen haben sich im übrigen immer sehr interessiert an unserer Arbeit gezeigt, vor allem deswegen – wir mir berichtet wurde – da mit meiner Person endlich auch mal eine Frau mit Forschungsauftrag Proben nahm. Das haben die Bewohner hier noch selten gesehen, da in Nepal Frauen kaum berufstätig sind (bei den wenigen Arbeitsplätzen hier wundert mich das kaum) und auch in der Entwicklungshilfe entscheidend mehr Männer als Frauen arbeiten. Geologinnen gibt es ohnehin selten, Chemikerinnen schon eher. Zudem war es meine Aufgabe, den Computer zu bedienen. Und wer dies ausführt, ist hier ohnehin der Chef, bzw. die Chefin… Ich wünsche mir sehr, die Mädchen und jungen Frauen können sich emanzipieren und über die Diskriminierung, die sich leidvollerweise erfahren, hinwegkommen. Wenn sie an mir ein Vorbild nehmen, bin ich zweifelsohne sehr glücklich darüber.

Freitag 16.10.2015, später Nachmittag: Die Beprobung ist zu Ende geführt worden heute gegen Mittag. 38 Filter sind besucht worden, die gewonnenen Wasserproben werden am Montag in die Schweiz geschickt. Nochmals mussten wir heute per Motorrad und grösster Hitze ausrücken, es ist niemand besonders traurig, dass wir die Arbeit beendet haben. Nicht etwa der Zusammenarbeit, sondern der klimatischen Bedingungen wegen… Nach anfänglichen Startschwierigkeiten (schliesslich mussten wir erst den Ablauf der Beprobung orchestrieren…) lief dann alles wie am Schnürchen (ausser die Beschaffung und Betankung der Motorräder…). Nach einer Woche waren wir vier ein zweifellos eingespieltes Team, alle sind sich einig, die Probenkampagne wieder einmal durchführen zu wollen, entweder während oder vor dem Monsun, um Vergleichsdaten zu erhalten.

Hari ist heute nachmittag per Bus in seinen Heimatort, der auch im Terai liegt, zurückgekehrt. Gyan hat uns für morgen ein Taxi organisiert, das uns nach Bhairahawa, wo der Flugplatz liegt, bringen soll. Für Sonntag haben Shankar und ich garantierte Flugbillette, evtl. können wir schon morgen Samstag nach Kathmandu fliegen, ansonsten werden wir eine Nacht in Bhairahawa verbringen. Da dieser Ort unmittelbar in der Nähe von Lumbini liegt (dem Geburtsort von Buddha, der den Buddhismus gegründet hat) und Lumbini deswegen auch bei Touristen ein beliebter Pilgerort darstellt, gibt es da sicher bessere Hotels als hier in Parasi…

Ach ja, bevor ich es vergesse: Seit gestern verkehren wieder ein paar Taxis, Busse und Lastwagen in Parasi. Der Bann der Vehikel in der Stadt ist seit zwei Tagen aufgehoben worden, dem Vernehmen nach jedoch ist die Grenze zu Indien immer noch geschlossen. Mal sehen, wie es in Kathmandu steht…